SPD Ortsverein Bautzen

Zwei Briefe des Sorbischen Künstlerbundes e.V.

Landespolitik

von Benedikt Dyrlich

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin Merkel,

im Namen der Mitglieder des Sorbischen Künstlerbundes gratuliere ich Ihnen zu Ihrer erneuten Wahl zur Kanzlerin der Bundesrepublik Deutschland, verbunden mit den besten Wünschen. Vor allem wünsche ich Ihnen Gesundheit sowie Erfolge in Ihrem verantwortungsvollen Amt zum Wohle aller Bürgerinnen und Bürger unseres Landes.

Mit meinen Wünschen verbinde ich die Bitte, dass Sie sich auch weiterhin für die Förderung des sorbischen Volkes - der Weiterentwicklung, seiner Sprache, Kultur und Identität – einsetzen. Konkret heißt das auch: Die Bundesförderung der Stiftung für das sorbische Volk darf nicht weiter gekürzt werden.

Leider musste der Sorbische Künstlerbund zur Kenntnis nehmen, dass der Bund im Vergleich zum Etat 2013 der sorbischen Stiftung für das Jahr 2014 Fördermittel in Höhe von 500 000 Euro kürzen will. Dies bedeutet, dass die Länder Sachsen und Brandenburg ebenfalls 500 000 Euro kürzen werden. Damit werden – falls der Bund bei seinen derzeitigen Kürzungsplänen bleibt - der sorbischen Stiftung 2014 eine Million Euro fehlen.

Bereits jetzt musste die sorbische Stiftung ihre geplanten 200 000 Euro für Projekte der sorbischen Vereine einfrieren. Damit sind alle (weitgehend ehrenamtlichen) Initiativen und Vereine in ihrer Tätigkeit blockiert. Auch in anderen Bereichen, wie bei der institutionellen Förderung, bestehen Notlagen aufgrund vorläufiger Haushaltspläne.

Alljährlich müssen wir Sorben um finanzielle Förderung und Beachtung der Inflationsrate betteln, obwohl wir, wie ein Gutachter es errechnet hat, um Vieles mehr in die Steuern einzahlen, als es die Summe der Fördermittel für die Stiftung ausmacht. Jede Kürzung ist ein großer Einschnitt in die sorbische kulturelle Substanz. Was einmal an unseren kulturellen Werten verloren geht, ist unwiederbringlich verloren.

Deshalb bitte ich Sie im Namen unserer Mitglieder, sich als Bundeskanzlerin dafür einzusetzen, dass künftig eine Regelung getroffen wird, welche die Fördermittel der Stiftung für das sorbische Volk unter Beachtung der Inflationsrate auf dem Niveau des Jahres 2013 gewährleistet – und das alljährlich ohne einen aufreibenden Kampf und Protestaktionen.

Über ein Gespräch mit Ihnen oder einem Vertreter Ihrer Regierung würde ich mich sehr freuen.

Mit freundlichen Grüßen

Benedikt Dyrlich
Vorsitzender

Sehr geehrter Herr Bundesminister Gabriel,

im Namen des Sorbischen Künstlerbundes e. V., in dem mehr als 100 Schriftsteller, Publizisten, Komponisten, Musiker und bildende Künstler organisiert sind, gratuliere ich Ihnen ganz herzlich zu Ihrer Berufung zum Bundesminister für Wirtschaft und Energie. Mit der Gratulation verbinden wir Erwartungen nach einer nachhaltigen Wende in der Wirtschafts- und Energiepolitik, die Sie angekündigt haben.

Die gegenwärtige Wirtschafts- und Energiepolitik der Bundesrepublik Deutschland richtet sich weiterhin – wie schon in der DDR – gegen die Interessen des Volkes der Sorben. Die Energiewirtschaft radierte aus und zerstört weiterhin Dörfer und gewachsene Siedlungsräume, die einmalig zum materiellen Weltkulturerbe gehören sollten (wie zum Beispiel die Region Schleife im Landkreis Görlitz). Auch der traditionsreiche Pilgerort der katholischen Sorben Rosenthal, Landkreis Bautzen, und dessen Umgebung sind aufgrund von Kaolinvorkommen akut in ihrer identitätsstiftenden Substanz gefährdet.

Bis heute können wir Sorben nichts gegen diese und weitere rabiate Verwüstungen unserer Lebens- Traditions- und Kulturräume durch die Wirtschaft tun, da das Bergbaurecht und andere Gesetze der Bundesrepublik Deutschland die gemeinschaftlichen Grundlagen der Existenz der sorbischen Sprache und Kultur in der Lausitz nicht schützen.

Sehr geehrter Herr Bundesminister Gabriel,

viele von uns haben bei der Bundestagswahl Kandidatinnen und Kandidaten unterstützt, die sich in unserer Region gegen die weitere Devastierung gewachsener Siedlungs- und Kulturräume des Volkes der Sorben in Deutschland ausgesprochen haben. Wir bitten Sie, in nächster Zeit einen ernsten Dialog mit Vertretern des sorbischen Volkes aufzunehmen, die sich bereits vor und während der friedlichen Revolution substantiell für eine Energiewende in der Lausitz engagiert haben – und sich auch heute vielfältig politisch daheim und darüber hinaus engagieren. (Dazu zählte der Arbeitskreis sorbischer Schriftsteller im Schriftstellerverband der DDR, der dann 1991 im Sorbischen Künstlerbund e. V. aufgegangen war.)

Die Verfassungen in Sachsen und Brandenburg fordern zudem den Staat auf, uns Sorben konkrete Mitspracherechte bei der Gestaltung unserer Siedlungsräume zu gewähren. So heißt es im Staatsziel des Artikels 6 der sächsischen Verfassung, die ich seinerzeit als Landtagsabgeordneter der SPD im Verfassungsausschuss des Landtages mit ausgearbeitet habe:

„In der Landes- und Kommunalplanung sind die Lebensbedürfnisse des sorbischen Volkes zu berücksichtigen. Der deutsch-sorbische Charakter des Siedlungsgebietes der sorbischen Volksgruppe ist zu erhalten.“

In diesem Sinne bittet Sie der Vorstand unseres Bundes um ein Gespräch, um auch Sie näher über unsere Sorgen und Vorstellungen zu informieren, um mit Ihnen und weiteren Verantwortlichen nach Lösungen für eine kulturelle, umweltfreundliche und zugleich wirtschaftliche Perspektive der deutsch-sorbischen Lausitz und deren ländliche Räume zu suchen.

Mit freundlichen Grüßen

Benedikt Dyrlich
Vorsitzender

 
 

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